Niemand lebt für sich allein, sondern in Beziehung zu vielen Anderen, mit denen die engere und weitere Gemeinschaft gestaltet werden muss und kann. Inmitten dieser vielfältigen Bezüge sollte jede und jeder auch die eigene Person finden und leben können, ohne das Gemeinwesen aus dem Blick zu verlieren.

Ein Ziel meiner Tätigkeiten in Bildung, Forschung und Publizistik ist daher, zu eigenständigem Urteilen anzuregen und zur Einmischung in die eigenen und unser Aller Angelegenheiten zu ermuntern. Sowohl in Kirche und Theologie als auch in Ethik und Politik.

Dafür braucht es Aufmerksamkeit für die ‚Sicht der Anderen’ und für Sachverhalte, die in der Öffentlichkeit wenig beleuchtet werden. Daher spielt für mich die Geschlechterperspektive auf Leben, Glauben und Gesellschaft eine wichtige Rolle, aber auch die Sicht anderer Gruppen, die als Minderheiten definiert werden. Zudem sind mir internationale und interkulturelle Perspektiven oder wie man in den Kirchen sagt: ein weiter ökumenischer Horizont unverzichtbar.

Ein wichtiges inhaltliches Anliegen ist der Dialog über die aktuelle und künftige Bedeutung ethischer und religiöser Traditionen der Gerechtigkeit und der Menschenrechte und ihrer praktischen Verwirklichung. Kurz gesagt: Ich frage nach der gemeinwesenbezogenen oder der politischen Dimension eines Themas und setze auf die Entwicklung politischer Kompetenzen der Beteiligten.

Diese werden sich in jedem Arbeitszusammenhang unterschiedlich konkretisieren: in geschärfter Kritikfähigkeit zu einem sozialethischen Problem, in mehr Zutrauen zu sich selbst, in einer veränderten Sicht auf biblische oder andere ‚heilige’ Texte, in praktischen Initiativen...